Ökozid

Ökozid

Dieser Film ist nicht mehr verfügbar.

Sprache Deutsch, Englisch
Untertitel DE, EN, AR, CZ, ES, FR, PT, RU, TR
Genre Dokudrama
Land Deutschland
Jahr 2020
Regie Andres Veiel
Mit Utsav Agrawal, Friederike Becht, Martina Eitner-Acheampong, Nina Kunzendorf, Edgar Selge, Ulrich Tukur
Produktion zero one Film (Berlin)
Länge 90 Minuten

Ebenso leises wie spektakuläres Gerichtsdrama zur Klimakatastrophe. Im Jahr 2034 reichen 31 Staaten eine Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland ein, um Schadenersatz für die Folgen des Klimawandels zu erstreiten. Virtuos changiert ÖKOZID zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen Doku-Drama und fiktiver Dokumentation.

Man schreibt das Jahr 2034. Die Folgen des Klimawandels sind dramatisch. Dürre und Hochwasser haben bereits die Lebensgrundlage von Millionen Menschen vernichtet, und nach der dritten Sturmflut in Folge musste der Internationale Gerichtshof im Haag provisorisch nach Berlin übersiedeln, wo die Klimakatastrophe zum Gegenstand eines Aufsehen erregenden Gerichtsverfahrens wird.

Zwei Anwältinnen (Nina Kunzendorf und Friederike Becht) vertreten die Schadensersatzklage von 31 Ländern des globalen Südens gegen die Bundesrepublik Deutschland. Es geht exemplarisch um Fragen der ökonomischen und ökologischen Verantwortung der entwickelten Nationen sowie das Recht der Natur auf Unversehrtheit. Drastischer formuliert: Es geht um die Frage, ob und wie die Weltgemeinschaft sich in die Pflicht nehmen lässt, die Lebensgrundlage von Teilen ihrer Mitglieder verlässlich zu garantieren.

Ranghohe Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Industrie werden als Zeugen geladen. Das Gericht muss entscheiden, ob die deutsche Politik für ihr Versagen beim Klimaschutz zur Verantwortung gezogen werden kann, was einen brisanten Präzedenzfall schaffen würde. Die Klägerstaaten reklamieren, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht nur über Jahrzehnte die völkerrechtliche Pflicht verletzte, einer Erhöhung der CO₂-Konzentration entgegenzuwirken sondern zusätzlich alle europäischen Klimaschutzvorgaben nach Kräften aufgeweicht und blockiert hat. Auf der Anklagebank sitzt also die BRD der Jahre 1990 bis 2020 - verkörpert durch die 80-jährige Angela Merkel (Martina Eitner-Acheampong). Dass der Mitangeklagte Gerhard Schröder sich entschuldigen lässt, weil er in Russland zur Kur weilt, ist ein kleines Detail, welches den Humor, die kühle Rationalität und auch die Detailversessenheit dieses Science-Doku-Fiction-Spiels erahnen lässt.

Mit wenigen Strichen wird eine Rahmenhandlung angedeutet: Ein fieser Spin-Doktor fälscht während der Verhandlungstage Audio-Files und macht mit seinen perfekten Fake News in den sozialen Medien Stimmung. Vergangene Verbindungen zwischen dem Verteidiger der Bundesrepublik (Ulrich Tukur) und einer der Klagevertreterinnen werden en passant skizziert. Ebenso schwelt ein grundsätzlicher taktischer und generationeller Konflikt zwischen den beiden Anwältinnen.

Was ÖKOZID aber im Kern anstrebt, ist eine dichte Gegenwartsdiagnose, betrachtet durch ein Brennglas aus der Zukunft. Andres Veiel und seine Co-Autorin Jutta Doberstein entschlüsseln, wie auf Lobbyismus beruhende politische Entscheidungen unserer Gegenwart und jüngsten Vergangenheit der Welt ihre Zukunftschancen rauben.

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